Über mehr als 7.500 Kilometer erstreckt sich die Bergwelt der Anden in Südamerika. Es ist eine Welt der Extreme. Schnee und Stein, soweit das Auge reicht. Dazwischen gibt es brodelnde Vulkane und Tausende Kilometer lang nichts als Eis oder Salz. Das klingt ganz schön lebensfeindlich. Doch Tiere und Pflanzen haben sich in wundervoller Weise an diese Bedingungen angepasst. So auch die Weinrebe. Rund um das Städtchen Cafayate, in einem letzten Ausläufer der Anden im Nordwesten Argentiniens, stehen die höchstgelegenen Weingärten der Welt. Doch was macht die Höhe mit den Trauben? Oder anders gefragt: Wie schmecken die Anden im Weinglas?
Wer gerne hochalpin unterwegs ist, weiss um die intensivere Sonneneinstrahlung und schützt sich mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Die Trauben legen sich einfach eine dickere Schale zu. Dadurch werden die Weine tiefdunkel und tanninreich. Der dicke Mantel sorgt zudem dafür, dass die Früchte gesund bleiben und nicht aufplatzen. So können sie besonders lang ausreifen und ihre Aromatik voll entwickeln. Die kalten Nächte auf 1.700 Metern über Meer sorgen zudem dafür, dass eine angenehme Säure erhalten bleibt. So entstehen lebendige, ausgewogene Weine. Da die Rebe hart arbeiten musste, um auf diesem Boden zu gedeihen, weist sie mehr Rückgrat – in der Weinsprache gerne als Struktur bezeichnet – auf. Ein bisschen wie Menschen, die Krisen gemeistert haben. À propos: Cafayate heisst übersetzt «wo man die Sorgen begräbt». Ob’s am guten Wein liegt? Oder an der imposanten Bergwelt, die einen ehrfürchtig staunen lässt? Vermutlich eine Kombination von beidem…



















