«Zürcher Wein – zwischen Kühen und Skyline »
«Zürcher Wein – zwischen Kühen und Skyline »

««Stadt oder Land? Es ist ein ewiger Schlagabtausch, gespickt mit hartnäckigen Klischees. Hier überteuerter Latte Macchiato, dort frische Milch ab Hof. Hier Kultur, dort Natur. In der City ist es hektisch, auf dem Land langweilig. Und doch: Ein gutes Glas Wein hat schon tiefere Gräben überbrückt. Das weiss man nirgends besser als bei Landolt Weine. Die Kellerei macht seit 190 Jahren Weine mitten in der Stadt Zürich. Ihre Rebberge liegen im Kanton und in der Stadt Zürich und werden seit 10 Jahren von Dani Grab und Nik Zeljkovic gepflegt. Wir haben die beiden Weinbauern getroffen und mit ihnen über die Klischees von Stadt und Land gesprochen.»»

Dani Grab ist Züribieter durch und durch: Er lebt in Kleinandelfingen, wo er mit dem Schiterberg den steilsten Rebberg des Kantons bewirtschaftet. Winzer wurde er, weil ihn auf einer Reise durch Neuseeland die Sehnsucht nach Natur, Handwerk und Freiheit packte. Heute führt er einen vielseitigen Hof, wo nicht nur Trauben wachsen, sondern auch Beeren für die Glace-Manufaktur seiner Frau Brigitte. Was einst als Dorffest-Experiment begann, ist heute fast so berühmt wie der Rebberg selbst.
Dani liebt das Landleben. Die Ruhe. Die Weite. Das Gefühl, dass sich die Sorgen hier etwas langsamer bewegen als in der Stadt. Und doch: Das Thema Klimaerwärmung lässt ihn als Winzer natürlich nicht kalt: «Die Auswirkungen sind für uns deutlich spürbar. Wir kopieren heute zum Teil Techniken aus südlichen Regionen.» Eine politische Tendenz, über die er gerne mal mit Bundesrat Guy Parmelin bei einer Flasche Pinot Noir sprechen möchte, ist die zunehmende Skepsis gegenüber Alkohol.
...ist Dani überzeugt und fügt an: «Wir Winzer sind schliesslich die Berufsleute, die statistisch am ältesten werden.» Ob’s an der Ruhe, der Luft oder am Wein liegt? Vermutlich an der gelungenen Mischung. So schmeckt auch sein Pinot Noir: Ausgeglichen und fruchtig. Mit jedem Schluck spürt man die Sonne und die Ruhe des Schiterbergs.
...– sondern auch eine Weinstadt. Das ist weltweit absolut aussergewöhnlich – und hierzulande fast nicht bekannt. Im 18. Jahrhundert war so ziemlich jede geeignete Grünfläche in Zürich mit Reben bepflanzt. Heute sind die Weingärten zwar seltener, aber umfassen doch insgesamt rund 14 Hektar – ein kleines Wunder, angesichts der hohen Bodenpreise. Knapp die Hälfte der urbanen Reben pflegt Nik Zeljkovic. Nik ist ein überzeugter Stadtzürcher. Ursprünglich war er Hochbauzeichner, aber die Sommermonate verbrachte er meistens auf einer Alp. So kam es, dass er noch eine Ausbildung zum Landwirt und später zum Winzermeister machte. Seit 2003 betreut er die urbanen Rebberge von Landolt Weine, 2011 gründete er sein eigenes Unternehmen «Rebwerk».
....von Kleinandelfingen entfernt – und doch ist das Klima in der City komplett anders. Die Thermik des Zürichsees sorgt für eine gute Durchlüftung der Rebzeilen und macht Frost zur seltenen Ausnahme. Dafür gibt es Herausforderungen, die Landwinzerinnen und -winzer kaum kennen: Grossanlässe können schon mal den Zugang zum Rebberg blockieren. Und nach der Streetparade kann es vorkommen, dass der Winzer erst Übernachtungsgäste aus den Rebzeilen verabschieden muss, bevor er weiterarbeiten kann. Stadtleben eben: dynamisch, dicht, nie langweilig, aber manchmal anstrengend. Der Räuschling ist die Zürcher Kultrebe, ein fast ausgestorbenes Original, das gerade ein Revival erlebt. Perfekt zum Apéro, pardon: After Work. Frisch, lebhaft und facettenreich – wie eine Stadt, die nie stillsteht.
Stadt oder Land? Unsere beiden Weine beweisen: Die Klischees sind nett, aber die Realität ist spannender. Der Züribieter bringt die Entschleunigung, der Stadtzürcher die Energie. Zusammen zeigen sie, dass Gutes überall gedeihen kann – egal ob zwischen Kühen oder Tramgleisen.

Seit 2019 arbeitet man zertifiziert nachhaltig. Das Ziel: Weine zu schaffen, die Druck besitzen, aber nicht schwer wirken, die Frucht feiern, ohne an Spannung zu verlieren – also Trinkfreude als Stilprinzip. Auf der Flasche prangt zwar der «Orden vom Goldenen Vlies», einst höchste weltliche Auszeichnung des Heiligen Römischen Reiches. Seit 1628 haben ihn nahezu alle Fürsten des Hauses getragen. Doch hinter der Noblesse steckt heute ein erfreulicher Pragmatismus – oder sagen wir: ein Augenzwinkern.
Wir stellen uns eine moderne Sissi vor, die statt steifer Haute Cuisine lieber einen Burger und dazu ein Glas Zweigelt geniesst. Übrigens, die legendäre Kaiserin pflegte eine enge Verbindung mit der Adelsfamilie. Fast könnte man sagen: Dieser Wein ist wie Sissis unvergessener Flirt mit dem jungen Nikki Esterházy – charmant, verspielt und mit viel Charakter.
Wenn ein Wein reden könnte, würde jener von Esterházy wohl besonders weit ausholen. Er würde von der Geschichte Europas seit dem Dreissigjährigen Krieg erzählen und Anekdoten aus dem glanzvollen Hofleben des europäischen Hochadels zum Besten geben.
Die kulturelle Strahlkraft des Namens Esterházy ist bis heute ungebrochen. Mittelpunkt des Adelsgeschlechts war das Burgenland, vor allem der Palast in Eisenstadt, wo Joseph Haydn als Hofkomponist Musikgeschichte schrieb. Über Jahrhunderte prägte die Familie nicht nur die Architektur und Kultur, sondern auch den Weinbau der Region: Die Kelleraufzeichnungen reichen bis 1758 zurück. Dem Weingut Esterházy gelingt es auf eindrückliche Weise, sich von seiner reichen Tradition nicht erdrücken zu lassen: «Wir leben im Jetzt, interpretieren unser Erbe in der Gegenwart und füllen es mit Leben», lautet die Devise des Weinguts. Die Weine werden heute nicht mehr im historischen Schlosskeller gekeltert, sondern in einer hochmodernen Kellerei am Ufer des Neusiedlersees.
...gründete ihr Vater das Weingut Mas Martinet. Für sie bedeutete dies vor allem, dass sie von Barcelona ins Niemandsland ziehen musste. Zehn Jahre später zog sie zurück in die Stadt, um Biologie und Philosophie zu studieren. Erst dort erkannte sie, wie sehr sie die Jahre auf dem Land geprägt hatten. Sie entschied sich, ebenfalls Winzerin zu werden. Mit 24 Jahren übernahm sie die Leitung von Mas Martinet.
In den ersten Jahren kämpfte sie für ihren Platz in der von Männern dominierten Weinwelt: Um ernst genommen zu werden, fing sie an laut, frech und hart wie die alten Winzer zu sprechen – und ihren Kaffee schwarz zu trinken. Auch ihre Weine mussten stark sein, wie es damals in der Region üblich war. «Aber irgendwann merkte ich, dass das nicht die Art von Wein war, den ich bewunderte», sagt Sara heute.

...nur eine Viertelstunde von Mas Martinet entfernt, auf dem sandigen Terroir von Montsant. Sie nannte es Venus la Universal, weil sie kurz zuvor in Florenz Botticellis berühmtes Gemälde gesehen hatte. Dieser Name war ein Statement für Schönheit und Neugeburt: «Es ging um all die Dinge, die ich in den 1990er Jahren versteckt hatte, als ich versuchte, so stark zu sein.»
Ihre Weine wurden zum Ausdruck von Freiheit, sinnlich und kraftvoll zugleich. Die «Zeit» bezeichnet Sara Pérez als «einflussreichste Frau des spanischen Weins». Für viele ist sie Vorbild und Wegbereiterin in einer immer noch männerdominierten Branche.

Neue Weine aus Italien sind wie neue Bekanntschaften: Manche bleiben höflich auf Distanz, andere gewinnen uns sofort für sich. Diese beiden gehören klar zur zweiten Kategorie. Sie heissen Lupo Meraviglia Tre di Tre und Cuvée 16 – Namen, die bereits andeuten, dass es sich um Cuvées voller Kraft und Fülle handelt.
Für den italienischen Weinkritiker zählen weder Etiketten noch Preisschilder, sondern das Gefühl im Glas. Die inneren Werte. Wie bei Freundschaften. Vielleicht mögen wir diese Weine deshalb so: Sie sind nicht kompliziert, sondern einfach angenehm.
Selten macht eine Stimme allein einen Abend unvergesslich: Am schönsten ist es doch, wenn sich unterschiedliche Charaktere am Tisch nicht verdrängen, sondern ergänzen. Ja, manchmal wird gestichelt – um dann gemeinsam über die Eigenheiten zu lachen. Während der eine vielleicht laut ist, der andere tiefgründig und die dritte sanft, ergibt das zusammen mehr als die Summe seiner Teile.
...eine gelungene Cuvée ein Wir im Glas. Gibt es eine passendere Art von Wein, um mit Freundinnen und Freunden anzustossen? Auf das Glück, nicht gleich zu sein und dennoch perfekt zusammen zu passen!

...– sogenannte «vinos de autor»: Weine in kleinsten Mengen, die deutlich geprägt sind von der Handschrift ihres Winzers. Diese Art von Wein ist Ausdruck einer önologischen Bewegung, die Authentizität über Mainstream stellt. Dani arbeitet biologisch und denkt Nachhaltigkeit nicht als Marketingbegriff, sondern als Respekt vor der Rebe – und vor dem Leben.
Der D1 ist Herzblut in einer Flasche: Voller aromatischer Lebendigkeit, aber mit dieser ausgeglichenen Ruhe. Ein erwachsener, kompromisslos ehrlicher Wein – nichts Weichgespültes. Wie ein reifer Mensch, der seine herbe Seite nicht mehr versteckt, sondern als Charakterstärke integriert hat. Eine Liebeserklärung an die Ribera del Duero – und an einen Traum, der in den Händen eines Kindes begann.
Dani Martínez Benito war kaum gross genug, um eine Rebschere zu halten, als sein Vater ihm in den Rebbergen von Quemada zeigte, wie man schneidet, ohne das alte Holz zu verletzen. «Respekt vor der Rebe», hörte der kleine Junge seinen Vater immer wieder sagen – und verstand erst Jahre später, was das wirklich bedeutete. «Ich werde immer stolz sein auf das Gefühl, das mir mein Vater für den Weinberg mitgegeben hat», sagt Dani heute.
Später zog es ihn hinaus in die grosse Welt des Weins: Er studierte Agrarwissenschaft und Önologie, machte Karriere als Kellermeister in den führenden Bodegas der Ribera del Duero, unter anderem beim Senkrechtstarter Dominio de Cair. Nach zwei Jahrzehnten Erfolg, die geprägt waren von präziser Arbeit und glanzvollen Auszeichnungen, zog es ihn zurück zu den knorrigen, alten Rebstöcken seiner Familie.


Weine, die man einmal probiert und wieder kauft – verlässlich, zugänglich und genau deshalb so beliebt.
Diese Flaschen gehen bei uns ab wie die Post!