Das erste Lehrbuch über die Agronomie "De Re Rustica" stammt von Columella, der im 1. Jh. n.Chr. lebte. Er beschrieb damals das - sehr besondere - "Verfahren" zur Gewinnung eines grandiosen Süssweins, den Moscato di Saracena. Diese nun weit über zweitausendjährige Tradition lebt noch heute, wenn auch bisher kaum bemerkt. Statt seinen dritten Lebensabschnitt auf Kreuzfahrten und beim Kartenspiel zu verbringen, erinnerte sich Luigi Viola an die Tage, wie er als Kind seinen Grosseltern beim Ernten helfen und beim grossen Fest des Wein-Machens dabei sein durfte. Düfte aus der Kindheit bleiben ja lebenslang in Erinnerung, ganz besonders, wenn sie wie beim Moscato di Saracena so unvergleichlich und umwerfend sind. Und so beschäftigt sich Luigi heute mit den Reben seiner Ahnen und holte sich mit dem 2007er die höchste Auszeichnung, die ein italienischer Wein überhaupt erringen kann: Wein des Jahres des Weinführers Gambero Rosso. Was Columella vor zweitausend Jahren beschrieb und noch heute gültig ist, lautet ungefähr so: Die Hauptsorte ist Moscato, eine lokale Rebsorte, die so heisst aber offenbar nicht identisch ist mit der gemeinhin bekannten Moscatorebe. Die beiden weiteren Sorten sind Guarnaccia (verwandt mit Grenache blanc) und Malvasia. Diese beiden werden hoch reif geerntet und sofort gepresst und der noch süsse Most wird in grossen Kupferbecken gekocht, bis er auf etwa die Hälfte reduziert (eingekocht) ist. Die Moscatotrauben aber werden nach der Lese zum Austrocknen in gut durchlüfteten Räumen aufgehängt, ein Prozess der einige Wochen dauert. Einmal genügend geschrumpft, wird Beere um Beere von den Stielen entfernt. Diese werden dem konzentrierten Most zugegeben und zum Gären gebracht. Die Gärung geht in Gegenwart von soviel Zucker nur sehr langsam voran und dauert ein paar Monate. Luigi Viola gewinnt aus seinen 3 Hektaren 6000 Fläschchen (50 cl). Jedes hat eine exotische Welt eingefangen, die auf betörende Weise an jene von Tausendundeinenacht erinnert.